ADLER 4.0: Willkommen in der Zukunft!

Internet of Things, Robotics, digitale Transformation: Die viel beschworene „Industrie 4.0“ steht nicht mehr nur vor der Tür – in vielen Bereichen ist sie längst Realität. Doch was bedeutet dieser Begriff eigentlich genau, und welche Konsequenzen hat die „digitale Revolution“ für ADLER? Darüber haben wir mit Romed Staggl, Leiter des Bereichs Produktion, gesprochen.

Herr Staggl, woher kommt eigentlich der Begriff „Industrie 4.0“?

Der Begriff wurde 2011 von einer deutschen Forschergruppe geprägt, die damit den nächsten großen Umbruch im Industriebereich beschrieb: Die umfassende Verzahnung der industriellen Produktion mit digitaler Informations- und Kommunikationstechnologie. Im Grunde bedeutet das: Für alle analogen Abläufe in einem Betrieb gibt es sozusagen einen „digitalen Zwilling“, jeder Prozess wird im Softwaresystem des Unternehmens in Form von Daten abgebildet, und zwischen beiden Welten findet permanenter Austausch statt.

Das heißt: Es geht bei Industrie 4.0 gar nicht in erster Linie um Roboter und vollautomatische Anlagen, sondern um Daten?

Ganz genau. Natürlich bringt die Digitalisierung auch neue Möglichkeiten wie z.B. die Robotertechnologie hervor, die uns manche Arbeitsschritte abnehmen kann und uns so erlaubt, mehr Zeit in andere Aufgaben zu investieren. Aber die größte Chance bei der Digitalisierung liegt darin, eine enorme Menge an Daten zu sammeln, auszuwerten und miteinander in Verbindung zu setzen. Das beste Beispiel dafür ist unsere neue Wasserlackfabrik: Jeder Produktionsbehälter, jedes Rührwerk, jede Rohrleitung ist digital vernetzt, kann über den Computer gesteuert werden und speichert jede Menge digitaler Informationen. Ein menschliches Gehirn wäre mit dieser Datenflut heillos überfordert – ein Computer kann daraus aber wertvolles Wissen ableiten und so abspeichern, dass wir jederzeit wieder darauf zugreifen können.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch?

Wir können alle Produktionsprozesse zuerst virtuell vorherplanen und mögliche Fehler simulieren. Durch die digitale Steuerung der Anlagen können wir mit nahezu hundertprozentiger Genauigkeit arbeiten und unseren Kunden perfekte Qualität liefern – und zwar in jeder einzelnen Charge. Aber die Vorteile der Digitalisierung beschränken sich bei Weitem nicht nur auf die Produktion!

Sondern?

Von der Beschaffung der Rohstoffe, bei der wir uns mit den Lieferanten vernetzen, bis hin zu Logistik und Versand gibt uns die Digitalisierung die Möglichkeit, schneller und besser zu werden und neue Angebote zu entwickeln. Im Zentrum steht dabei, wie immer bei ADLER, der Kunde: Digitalisierung darf niemals ein Selbstzweck sein, wir müssen immer darüber nachdenken, welchen Mehrwert wir dadurch für unsere Kunden schaffen können.

Betrachtet man Industrie 4.0 wie eine Reise – wo befinden wir uns bei ADLER auf diesem Weg?

Ich glaube, man sollte sich die Digitalisierung nicht wie eine Reise vorstellen, die irgendwann zu Ende ist – vielmehr ist der Weg das Ziel. Bei ADLER sind wir in vielen Bereichen schon sehr gut aufgestellt. Eine große Herausforderung ist es jetzt, die einzelnen Bereiche – vom Einkauf bis zum Verkauf, von der Forschung & Entwicklung bis zur Produktion – nahtlos miteinander zu vernetzen, damit die Informationen nicht nur in den einzelnen Systemen kursieren, sondern durchs ganze ADLER-Werk fließen können.

Wie sieht die Digitalisierungstrategie bei ADLER aus – gibt es so etwas wie einen „Masterplan ADLER 4.0“.

Eine Besonderheit der digitalen Entwickung ist ihr enormes Tempo – laufend entstehend neue Technologien und Möglichkeiten, ebenso schnell verschwinden andere wieder. Deshalb ist wichtig, nicht zu weit in die Zukunft zu planen, sondern stattdessen Schritt für Schritt weiterzugehen. Wir beschäftigen uns z.B. derzeit damit, wie wir die Möglichkeiten der Digitalisierung auch für die Produktion 1 und hier zuerst einmal für die Vorkommissionierung nutzen können, um unsere Mitarbeiter dort in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Bleiben wir gleich beim Stichwort Mitarbeiter: Was bedeutet die Digitalisierung für sie?

Für uns alle gilt, dass unsere Arbeitsplätze in 10 Jahren anders aussehen werden als heute – aber das war in der Vergangenheit auch schon so. Die Digitalisierung bedeutet natürlich eine Herausforderung, etwa im Umgang mit neuen Geräten, Anlagen oder Softwareprogrammen; aber vor dieser Herausforderung muss sich niemand fürchten – wie schon in der Vergangenheit werden wir unsere Mitarbeiter Schritt für Schritt an die digitale Zukunft heranführen und umfassend schulen. Und umgekehrt bringen digitalisierte Arbeitsplätze auch viele Vorteile mit sich: Der Mitarbeiter wird vom Computer angeleitet und unterstützt, es gibt weniger Störungen im Arbeitsfluss und weniger Fehlerquellen.

Wie sind diesbezüglich die bisherigen Erfahrungen?

Sehr positiv. Ein gutes Beispiel ist unsere neue Kommissionierung. Im Grunde machen die Mitarbeiter dort nichts anderes als früher – sie stellen Gebinde für Gebinde auf Paletten zusammen und bereiten so die Kundenbestellungen zur Lieferung vor. Aber in unserem neuen Logistikzentrum sehen sie auf ihrem Bildschirm, welches Gebinde sie auf welchem Platz abstellen müssen, erfassen jedes Gebinde mit dem Barcode-Scanner, und wenn einmal ein Fehler passiert, bemerkt ihn das System und warnt den Mitarbeiter. Das ist für mich der Optimalfall der Industrie 4.0: Der Computer ersetzt keinen Mitarbeiter, sondern unterstützt ihn – und durch das perfekte Zusammenspiel von menschlicher und künstlicher Intelligenz können wir unseren Kunden noch besseren und rascheren Service bieten.

ADLER – In unseren Adern fließt Farbe

Mit 620 Mitarbeiter/-innen ist ADLER Österreichs führender Hersteller von Lacken, Farben und Holzschutzmitteln. 1934 von Johann Berghofer gegründet, wird das Familienunternehmen heute in der dritten Generation von Andrea Berghofer geführt. Beinahe 18.000 Tonnen Lack verlassen jährlich das Schwazer Werk und gehen an Kunden in über 25 Ländern weltweit. ADLER hat Vertriebsgesellschaften in Deutschland, Italien, Polen, den Niederlanden, der Schweiz, Tschechien und der Slowakei; einziger Produktionsstandort ist die ADLER-Werk Lackfabrik in Schwaz / Tirol (A). Als erstes Unternehmen seiner Branche ist ADLER seit 2018 zu 100% klimaneutral.


Bildrechte: ADLER-Werk Lackfabrik Johann Berghofer GmbH & Co KG